Die Verarbeitung von Traumata ist nicht leicht. Chronischer Stress, Angststörungen und Schlafprobleme sind nur einige der zahlreichen Symptome einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Generell kann jeder Mensch von dieser Störung betroffen sein, ein einziges traumatisches Ereignis kann zu lang anhaltenden psychischen Problemen führen. Deutsche Forscher vermuten nun, dass Cannabis bei PTBS eine therapeutische Wirkung haben könnte und führen Studien zu ihrer Hypothese durch.

Laut Statistiken leiden bis zu 8 % der Bevölkerung an einem Zeitpunkt ihres Lebens an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der Alltag kann durch diese Störung schwer beeinträchtigt sein. Paranoia und Angststörungen hindern viele Betroffene daran, den Kontakt zu der Außenwelt selbstbewusst zu meistern. Auch harmlose Reize können dazu führen, dass die Betroffenen die traumatische Situation wieder vor Augen haben. Cannabis bei PTBS könnte eine Lösung sein.

Die Idee Cannabis bei PTBS zu verwenden scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, jedoch konnten Studien nachweisen, dass viele Symptome einer PTBS durch CBD und THC behandelt werden können. Besonders interessant sind die Erkenntnisse der Wissenschaft zu der Verwendung von CBD bei Angst und Schlafstörungen. Da die Wirkstoffe der Cannabispflanze beruhigende und Stress-lösende Eigenschaften besitzen, vermuten Experten, dass die Verwendung von Cannabis bei PTBS schon bald eine etablierte Behandlungsmethode darstellen könnte.

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

PTBS ist eine psychische Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis. Diese Erfahrung kann in vielen Formen vorkommen. Sowohl körperliche Gewalt, als auch ein Autounfall können eine Person stark traumatisieren und langfristige Schäden verursachen. Dabei ist die Dauer der Erlebnisse von geringer Bedeutung. Studien haben gezeigt, dass eine traumatische Erfahrung nur wenige Sekunden dauern muss, damit Symptome einer PTBS auftreten können. Auch Augenzeugen können eine PTBS entwickeln, es sind nicht nur die Opfer extrem belastender Ereignisse betroffen.

Es unterscheidet sich von Fall zu Fall wie schwer die psychischen Schäden einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung sind. In vielen Fällen teilen die Betroffenen jedoch eine Anzahl von typischen Symptomen. Einige dieser Symptome sind:

  • Aufdrängende Erinnerungen des traumatischen Erlebnisses
  • Paranoia und Angststörungen
  • Albträume und Schlafprobleme
  • Emotionale oder körperliche Schmerzen
  • Reizbarkeit und soziale Abschottung

Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung durchleben das traumatische Erlebnis in ihre Gedanken immer wieder in Träumen oder Flashbacks. Dabei erleben sie oft die Gefühle der totalen Hilflosigkeit und extremen Entsetzens, welche sie im originalen Erlebnis gefühlt haben. In einigen Fällen kommt zu einer PTBS dazu, dass sich die Betroffenen für das traumatische Erlebnis verantwortlich fühlen und mit schweren Schuldgefühlen zu kämpfen haben. Forscher untersuchen zurzeit die Wirksamkeit vieler Medikamente, darunter auch Cannabis bei PTBS.

Therapie und Behandlungsmethoden

Es ist wichtig die komplexe posttraumatische Belastungsstörung effektiv zu behandeln, da die Gefahr besteht, chronische Symptome zu entwickeln. Hierbei ist eine Verhaltenstherapie mit einem ausgebildeten Psychotherapeuten von hoher Bedeutung. Die Behandlung kann je nach Schwere der Erkrankung angepasst werden, um eine individuelle und effektive Behandlung zu garantieren. In einigen Fällen kann ein Krankenhausaufenthalt vorteilhaft sein, insofern die Betroffenen depressive Symptome aufweisen.

Generell fokussieren sich die Therapiemethoden auf vier zentrale Ziele:

  1. Dem Patienten das Gefühl geben, die traumatischen Erinnerungen kontrollieren zu können
  2. Belastende Symptome wie Angststörungen, Schlafprobleme und depressive Phasen abzubauen
  3. Dem Betroffenen helfen, einen neuen, produktiven Fokus im Leben zu setzen und die Vergangenheit zu akzeptieren
  4. Soziale Interaktionen und das soziale Umfeld der Person zu stärken

Vorerst ist es besonders wichtig ein sicheres Umfeld für die betroffene Person zu schaffen, um die chronischen Angstzustände zu lindern. Der Patient muss sich sicher fühlen, damit die Therapie erfolgreich verlaufen kann. Im Folgenden schafft der Psychotherapeut eine Beziehung zu dem Patienten und bringt ihm verschiedene Techniken bei, um die belastenden Erinnerungen zu kontrollieren. Letztendlich soll der Patient das Trauma selber überwinden. Das Trauma wird in einigen Therapiemethoden wiederholt intensiv erlebt und somit abgeschwächt.

Eine medikamentöse Behandlung von PTBS ist ebenfalls möglich. Manche Ärzte verschreiben Antidepressiva und starke Benzodiazepine um die Symptome der Erkrankung zu lindern, jedoch können diese Medikamente nur bedingt erfolgreich wirken. Besonders Benzodiazepine sind für ihr großes Suchtpotenzial bekannt. Ärzte in Amerika, vielen Balkanstaaten und Israel verwenden bereits Medikamente mit Cannabinoiden, um eine Therapie für die komplexe posttraumatische Belastungsstörung zu unterstützen. Somit kann Cannabis bei PTBS zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen.

Wie kann Cannabis bei PTBS helfen?

Cannabis besitzt eine Vielzahl an medizinischen Vorteilen. Mit über 100 verschiedenen Inhaltsstoffen wirkt Cannabis in vielen Bereichen des menschlichen Körpers und sorgt nicht nur für einen Rauschzustand. Über die letzten Jahre haben Forscher herausgefunden, dass die Cannabinoide der Cannabispflanze effektiv zur Behandlung vieler Krankheiten und Beschwerden eingesetzt werden können. Cannabis kann sowohl körperliche, als auch psychische Beschwerden schonend lindern und in einigen Fällen sogar zu einer Behandlung der Ursache von Krankheiten führen. Besonders in der Behandlung von Angststörungen und der Therapie von chronischen Schmerzen konnte Cannabis erstaunliche Ergebnisse erzielen.

Die Verwendung von Cannabis bei PTBS ist ein schonender Weg, um mit der extremen Erfahrung klar zu kommen.
Die Verwendung von Cannabis bei PTBS ist ein schonender Weg, um mit der extremen Erfahrung klarzukommen.

Durch die Regulierung der Dopamin Konzentration sorgen Cannabinoide wie THC und CBD für eine gehobene Stimmung und haben eine generell entspannende Wirkung. Forscher vermuten, dass auch Glutamat und Serotonin eine wichtige Rolle in der Wirkung von Cannabis bei PTBS spielen könnten, um die psychischen Beschwerden zu behandeln.

Die wohl wichtigste Eigenschaft von Cannabis bei PTBS liegt in der Fähigkeit gegen Depressionen vorzugehen. Durch die starken psychischen und körperlichen Belastungen sind viele Betroffene für die Entwicklung von Depressionen gefährdet. Antriebslosigkeit, andauernde Trauer und sogar Suizidgedanken sind hierbei schwerwiegende Symptome von PTBS Patienten. Cannabis hat in zahlreichen Studien bewiesen, dass die Wirkung der Cannabinoiden im menschlichen Körper die Symptome von Depressionen langfristig, schonend und effektiv behandeln kann.

CBD ist eine effektive Alternative zu THC bei der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen

Besonders Cannabidiol kann eine große Hilfe in der Behandlung von PTBS darstellen. Durch die psychoaktive Wirkung von THC können einige Patienten temporäre psychologische Probleme entwickeln. Besonders Betroffene mit einer Neigung zu Psychosen sollten mit der Verwendung von Cannabis bei PTBS vorsichtig sein. Im Gegensatz dazu besitzt CBD keinerlei psychoaktive Wirkung und kann problemlos gegen Angststörungen und Schlafproblemen eingesetzt werden.

Studien zu der Wirksamkeit von Cannabis bei PTBS

Ein deutsches Forscherteam aus München hat 2012 (1) eine Studie zu den Auswirkungen von andauernden Stress auf das Endocannabinoid System durchgeführt. Die Wissenschaftler haben untersucht wie sich die Konzentration von körpereigenen Cannabinoiden verändert, wenn die Teilnehmer starken Stress ausgesetzt waren. Die Teilnehmer, welche die körperliche Belastung gut ausgehalten haben, wiesen eine deutlich höhere Konzentration von Endocannabinoiden auf, als andere Teilnehmer. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass eine erhöhte Konzentration von Endocannabinoiden notwendig für die Anpassung und Verarbeitung von mentalen und körperlichen Belastungen sein könnte.

PTBS kann auch durch körperlichen Missbrauch entstehen.
PTBS kann auch durch körperlichen Missbrauch entstehen.

Im Jahr 2014 (2) haben israelische Forscher eine Studie veröffentlicht, in der die Effekte von Cannabis bei PTBS untersucht wurden. In dieser Studie haben die Wissenschaftler 10 Patienten mit PTBS zweimal täglich jeweils 5 mg THC verabreicht. Die Ergebnisse sind erstaunlich, so lautet es in der Zusammenfassung der Studie, dass die Behandlung mit THC die Schwere der Symptome gelindert hat. Des Weiteren soll die Behandlung die Qualität des Schlafs und die Häufigkeit von Albträumen signifikant verbessert haben.

Eine Behandlung mit Cannabis bei PTBS kann zu einer signifikanten Verbesserung der Symptome führen

New Mexiko ist einer der wenigen U.S. Staaten, der die Verwendung von Cannabis bei PTBS gesetzlich erlaubt hat. Im Jahr 2014 (3) haben Wissenschaftler in einer Analyse von 80 psychiatrischen Bewertungen von PTBS Patienten herausgefunden, dass eine Verwendung von Cannabis bei PTBS die gemessenen Symptome zu bis zu 75 % verbessern kann. Jedoch weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass noch groß angelegte Placebo Studien fehlen, um eine wissenschaftlich fundierte Aussage zur Wirksamkeit von Cannabis bei PTBS zu treffen.

Weitere Erkenntnisse der Wissenschaft

Nabilom ist eine synthetische Form von THC und ist in Deutschland als Medikament zugelassen, um die Übelkeit von Chemotherapie Patienten oder die Anorexie von AIDS Patienten zu behandeln. Zahlreiche Studien belegen jetzt jedoch, dass der Wirkstoff der Cannabispflanze auch zur Behandlung von posttraumatischer Belastungsstörung eingesetzt werden kann. Die Effektivität des Medikaments scheint bislang in zahlreichen Untersuchungen sehr gut zu sein.

In einer kanadischen (4) Studie haben Forscher untersucht, wie Nabilom auf die PTBS von kanadischen Soldaten wirkt. Zehn Personen des kanadischen Militärs haben über einen Zeitraum von insgesamt 14 Wochen bis zu 3 mg Nabilom eingenommen, um ihre Albträume zu behandeln. Das Ergebnis scheint sehr vielversprechend zu sein. Die Forscher erläutern, dass Nabilom die Symptome signifikant verbessern konnte. Nabilom scheint eine klinisch relevante Behandlung für Patienten mit Behandlungs- resistenten Albträumen zu sein.

Diese Ergebnisse sind kein Einzelfall im Jahr 2014 (5) konnten kanadische Forscher ähnliche Ergebnisse in einer zurückblickenden Studie von 104 Patienten erzielen. Die Verwendung des Inhaltsstoffes von Cannabis bei PTBS hat laut den Forschern zu erheblichen Verbesserungen der Insomnie, Albträume und weiteren PTBS Symptomen geführt.

Erfahrungsberichte

Mein Mann hat grauenvolle Albträume seitdem er aus seiner Stationierung im Nahen Osten zurückgekommen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, was er dort erlebt haben muss. Ich unterstütze ihn, wo ich nur kann und gebe mein Bestes ihn zu beruhigen und ein sicheres Gefühl zu geben. Sein Arzt hat ihm zur Therapie einige Schlafmittel verschrieben, aber er sollte sie nicht langfristig einnehmen. Ich habe herausgefunden, dass Hanföl die Albträume behandeln kann und habe ihm eine Flasche gekauft. Er schläft deutlich schneller ein und wacht seltener schweißgebadet auf. Ich bin einfach nur froh, ihn wieder entspannt bei mir zu haben.

– Annika 37

Der Autounfall hat mir böse zugesetzt, das muss ich gestehen. Obwohl mir jeder sagt, dass es nicht meine Schuld war, konnte ich mich nicht von meinen Schuldgefühlen lösen. Mein Therapeut hat mich nach den ersten paar Stunden auf die Vorteile von CBD aufmerksam gemacht und mir empfohlen ein paar Tropfen jeden Tag zu nehmen. Das ist jetzt ein halbes Jahr her und ich habe die Therapie abgeschlossen. Ich bin fest davon überzeugt, dass mir das CBD geholfen hat, meine Angst und Anspannung zu lösen.

– Timo 32

Meine Kindheit war nicht die Schönste. Ich erinnere mich noch heute an viel Gewalt gegenüber mir und meiner Mutter und kann manchmal immer noch die Schreie hören. Die Therapie hat mir sehr geholfen, ich habe fast keine Albträume mehr und kann meine Emotionen kontrollieren. Ich hatte Cannabisöl anfänglich gegen meine Schlafprobleme eingenommen, doch während der Therapie habe ich bemerkt, dass auch meine Stimmung durch das Öl besser wurde und ich befreit und selbstbewusster durch den Tag ging. Das Öl ist spitze!

Julia 26

Nebenwirkungen von Cannabis

Die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze finden sich oftmals auch im menschlichen Körper wieder. Durch komplexe chemische Prozesse wirken diese körpereigenen Endocannabinoide auf bestimmte Rezeptoren ein und sorgen für eine Vielzahl von positiven Auswirkungen. Doch wie alle medizinisch vorteilhaften Stoffe kann auch Cannabis in bestimmten Fällen unerwünschte Nebenwirkungen aufweisen.

Menschen mit einer Anfälligkeit für Psychosen könnten durch die psychoaktiven Eigenschaften von THC temporäre psychische Probleme erleiden. Hoch konzentrierte Formen von THC sollten daher vorzugsweise unter Aufsicht eines ausgebildeten Therapeuten verwendet werden. Auch CBD kann trotz seiner schonenden Wirkungsweise einige Nebenwirkungen hervorrufen. Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Verlust des Appetitgefühls können bei einer Einnahme von CBD auftreten.

Schlusswort

Die Verwendung von Cannabis bei PTBS kann vielen Menschen in der Behandlung ihrer Symptome helfen. Traumatische Erlebnisse hinterlassen oft bleibende Wunden und sind nur durch intensive Therapie zu behandeln. Hierbei ist jedoch die Unterstützung durch die Verwendung verschiedener Medikamente vorteilhaft und von vielen Therapeuten auch erwünscht. Im Gegensatz zu künstlich hergestellten Mitteln mit starken Nebenwirkungen kann Cannabis bei PTBS auf schonende Weise wirken und zahlreiche Beschwerden lindern.

Die Studien zu der Verwendung von Cannabis bei PTBS sehen sehr vielversprechend aus und Ärzte haben bereits weitere, größere Studien angekündigt. Diese großen klinischen Studien sind notwendig um eindeutig zu belegen, dass Cannabis bei PTBS eine effektive Behandlungsmethode darstellt. Da die Standards für die Zulassung eines Medikaments in vielen Ländern sehr hoch sind, kann es noch einige Jahre dauern, bis auch in Deutschland die Verwendung von Cannabis bei PTBS erlaubt wird.

Doch bereits heute können Tausende Menschen von der Wirksamkeit von Cannabis profitieren. Obwohl THC bislang noch in vielen Ländern dem Strafrecht untersteht, gibt es die Möglichkeit CBD bei PTBS zu verwenden. Mit einer ähnlichen Wirkungsweise wie THC, kann CBD dabei helfen Ängste zu lösen und körperliche, sowie emotionale Schmerzen zu lindern. Die Verwendung von Cannabis bei PTBS ist schon heute möglich und besitzt das Potenzial traumatische Erfahrungen zu behandeln.

Verweise

(1) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23023882

(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=ptsd+jerusalem+thc

(3) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24830188

(4) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25467221

(5) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24987795

Cannabis bei PTBS
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