Dronabinol ist auch in Form von Kapseln erhältlich.

Seit vielen Jahren gibt es eine heftige Debatte um die Zulassung von Cannabis als Medikament. Heutzutage sind die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten der Cannabinoide nicht mehr abzustreiten. Und doch erliegen Medikamente wie Dronabinol und Sativex strengen Auflagen. Bislang haben Krankenkassen nur in Ausnahmefällen die Kosten für eine Behandlung durch Cannabis erstattet, obwohl medizinische Vorteile deutlich erkennbar sind.

Besonders die schonende Wirkung von THC und CBD sorgen für die Sicherheit einer Behandlung mit Cannabis. Beide Cannabinoide besitzen im Vergleich zu anderen Schmerzmitteln nur sehr schwache und selten auftretende Nebenwirkungen. Experten vermuten, dass eine Lockerung der Auflagen dazu führen könnte, dass Medikamente mit Cannabinoiden Schmerzmittel ersetzen könnte. Es besteht ein großer Interessenkonflikt zwischen Bürgern, Politikern, Ärzten, Pharmazeutika Unternehmen und Versicherungen, welcher sich schon in kurzer Zeit auflösen könnte.

Mit der Legalisierung von Cannabis in einigen U.S. Bundesstaaten und Kanada gewinnt die Legalisierungsbewegung an Kraft. Auch in Deutschland hat der Bundestag 2017 ein Gesetz verabschiedet, das dafür sorgt, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung mit Cannabis erstatten müssen. Dieses Gesetz könnte ein erster Schritt des langen Wegs zur Legalisierung von Cannabis darstellen. Wenn Politiker Medikamente wie Dronabinol bereits als so wertvoll erachten, dass sie Krankenkassen dazu verpflichten, die Kosten für eine Behandlung zu tragen, ist eine weitere Lockerung der Regulierungen nicht mehr fern.

Was ist Dronabinol?

Dronabinol ist der Begriff für ein Rezeptur Arzneimittel, welches aus dem Wirkstoff THC besteht. Viele Hersteller synthetisieren große Teile des Wirkstoffes, anstatt das Cannabinoid aus der Cannabispflanze zu gewinnen. Somit sind die Kosten für die Produktion von Dronabinol deutlich höher, als wenn die Produzenten das natürlich vorkommende THC der Cannabispflanzen verwenden könnten. Leider besteht ein Mangel von staatlich regulierten Cannabisplantagen in Deutschland, um den Bedarf an Dronabinol zu decken.

Bereits seit 1998 ist Dronabinol verschreibungsfähig und kann legal in den Verkehr gebracht werden. Doch fertige Produkte sind in Apotheken bis heute nicht erhältlich. Für jedes Rezept müssen die Apotheker die Rezeptur selber frisch herstellen. Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch ausgesprochen teuer für die Patienten. Somit konnten sich der Großteil aller Patienten Medikamente mit Dronabinol nur in Ausnahmefällen leisten.

Im März 2017 trat dann eine gesetzliche Regulierung in Kraft, die Krankenkassen dazu verpflichtet die Kosten für Rezepturen mit Dronabinol zu tragen. Seitdem gibt es einen größeren Bedarf an Dronabinol, auch Ärzte verschreiben Cannabis öfter zur Behandlung verschiedener Beschwerden öfter. Essenziell ist Dronabinol nichts anderes als pures THC und birgt daher ähnliche Vorteile und auch Risiken wie das THC in den Blüten der Cannabispflanze. Die Wirkung kann sich jedoch von Anwender zu Anwender unterscheiden.

Wirkung von Dronabinol

Da sich Dronabinol chemisch von dem natürlich vorkommenden THC wenig unterscheidet, sind ähnliche Wirkungsweisen zu erwarten. Die beiden vielversprechendsten Anwendungen von Dronabinol liegen in der Unterdrückung von Übelkeit in Krebspatienten während einer Chemotherapie, sowie in der Linderung von Spastiken und Muskelschmerzen. Doch THC bietet viele weitere medizinische Vorteile. Somit besitzt Dronabinol das Potenzial Appetit-stimulierend, schmerzlindernd und entzündungshemmend zu wirken.

Wissenschaftler forschen an weiteren Anwendungsmöglichkeiten für THC und CBD.
Wissenschaftler forschen an weiteren Anwendungsmöglichkeiten für THC und CBD.

Als Cannabinoid bindet das THC an die Cannabinoid Rezeptoren im körpereigenen Endocannabinoid System. Diese Rezeptoren sind sowohl im Zentralen Nervensystem, als auch auf vielen Zellen des Immunsystems vorzufinden. Das Endocannabinoid System reguliert viele Prozesse im Körper aller Säugetiere. Somit besitzen Cannabinoide die Eigenschaft entzündungshemmende Prozesse zu stärken und durch eine Erhöhung der Dopamin Konzentration, Stress und Schmerzen zu lindern. Wissenschaftler vermuten, dass das Endocannabinoid System für weitaus mehr Prozesse verantwortlich ist als bislang angenommen. Weitere Forschung ist notwendig, um das volle Potenzial von Dronabinol und anderen Medikamenten auf Cannabis Basis auszuschöpfen.

Seit wenigen Jahren finden vermehrt Studien zu der Wirksamkeit von THC und CBD statt. Bereits heute können beeindruckende Ergebnisse in zahlreichen Studien beobachtet werden. Die Studien zu Epilepsie und chronischen Schmerzsyndromen sehen besonders vielversprechend aus. Hierbei haben die Wissenschaftler deutlich messbare Verringerungen in der Häufigkeit von epileptischen Anfällen feststellen können. Auch die Intensität der Schmerzen soll laut Patienten nach der Verwendung von Dronabinol abgenommen haben.

Gesetzliche Regulierungen

In Deutschland fällt THC unter das Betäubungsmittelgesetz und unterliegt daher strengen Vorschriften. Der Erwerb und Besitz von THC kann in den meisten Fällen zu Geld- oder Freiheitsstrafen führen. Daher sind auch die Gesetze für die Abgabe von Dronabinol schärfer als für andere Medikamente. Seit 1998 ist es Ärzten möglich Dronabinol zu verschreiben, doch bis heute gibt es keine fertigen Produkte in Apotheken zu erwerben. Jede Rezeptur muss für das individuelle Rezept hergestellt werden.

Des Weiteren gibt es bislang keinen staatlich kontrollierten Anbau von Cannabis in Deutschland. Aus diesem Grund ist es notwendig, die verschriebenen Cannabisblüten aus dem Ausland zu importieren. Obwohl die herrschenden Regulierungen streng scheinen, hat sich Einiges in der Anwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken geändert. So können alle Ärzte, mit Ausnahme von Tier- und Zahnärzten Cannabis verschreiben, insofern:

eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht

oder falls diese Leistung:

im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann

Das bedeutet, dass Ärzte Cannabis auch dann verschreiben können, wenn noch nicht alle möglichen Therapiemethoden verwendet worden sind. Ob ein Arzt nun Dronabinol verschreibt, ist seiner Einschätzung des Krankheitsbilds des Patienten überlassen. Insofern er seine Einschätzung begründet vertreten kann, ist eine Verschreibung von Dronabinol möglich. Doch der Preis hat viele Patienten bis vor kurzer Zeit noch von den Medikamenten mit Cannabis abgeschreckt.

Dronabinol Preis

Obwohl Dronabinol schon seit über 20 Jahren durch Apotheken erhältlich ist, konnten sich nur wenige Patienten den Wirkstoff auch leisten. Die Preise für wenige Gramm des Wirkstoffs können mehrere Hundert Euro betragen. So sind 60 Kapseln mit jeweils 2.5 mg Dronabinol für 534 € erhältlich. Falls eine höhere Dosierung notwendig ist, kann der Preis bei über 1600 € für den Patienten liegen. Diese Summen sind für den Normalverbraucher kaum tragbar, und bis vor wenigen Jahren haben die Krankenkassen die Kostenübernahme in vielen Fällen verweigern können.

Die Herstellung von Dronabinol ist für Privatpersonen nur selten bezahlbar.
Die Herstellung von Dronabinol ist für Privatpersonen nur selten bezahlbar.

Bis zum März 2017 mussten sowohl Patienten, als auch die versorgenden Apotheken eine Erlaubnis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einholen, um eine Cannabis-basierte Therapie durchführen zu können. Die neue Gesetzesregelung hat diese Hürde abgebaut. Doch Patienten sparen sich heutzutage nicht nur rechtliche Kopfschmerzen bei einer Behandlung mit Dronabinol, sondern auch viel Geld.

Seit der Erlassung der neuen Regulierung sind gesetzliche Krankenkassen dazu verpflichtet, die Kosten für die Therapie mit Dronabinol, Sativex oder Nabinol im Regelfall zu übernehmen. Sollte der zuständige Arzt alle anderen, allgemein anerkannten, dem medizinischen Standard entsprechenden, alternativen Behandlungsmöglichkeiten als untragbar einstuft (1), muss die Krankenkasse für die Behandlung mit Dronabinol zahlen. Diese Regelung sorgt bei vielen Patienten für Erleichterung, da sie sich nun die passende Medizin für ihre Beschwerden auch leisten können.

Dosierung und Anwendung

Dronabinol ist in vielen verschiedenen Formen erhältlich. In vielen Fällen erhalten Patienten eine Lösung mit Dronabinol, doch auch Kapseln mit dem Wirkstoff können eine effektive Wirkung zeigen. Bei einer Lösung von Dronabinol sollten Patienten den Anwendungshinweisen möglichst genau folgen. Obwohl eine Überdosierung mit permanenten Schäden höchst unwahrscheinlich ist, können Patienten im Normalfall nur bis zu 100.000 mg Dronabinol pro Monat erhalten. Daher sollten Betroffene mit dem wertvollen Wirkstoff vorsichtig umgehen.

Verschiedene Firmen besitzen unterschiedliche Dosierungen ihrer Rezepturen, jedoch bietet die Firma THC-Pharm nützliche Informationen in einer Broschüre für Ärzte an. Hierbei lässt sich entnehmen, dass die Anfangsdosierung einer oralen Einnahme von Dronabinol bei 2,5 mg beträgt. Täglich sollten somit nicht mehr als 15 mg, oder 21 Tropfen eingenommen werden. Als maximale Tagesdosis gibt die Firma an, dass 50 mg und mehr eingenommen werden können.

Des Weiteren steht in der Richtlinie, dass:

bei einer Dosierung von 2,5 mg oral keine oder nur minimale subjektiv wahrnehmbare psychotrope Wirkungen zu spüren sind.

Somit müssen sich Patienten keine Sorgen machen, berauschende oder Bewusstseins-ändernde Effekte bei einer oralen Einnahme einer geringen Dosierung von Dronabinol zu spüren. Die Dosierungen für verschiedene Krankheiten können stark variieren. Somit können schon 5 mg Dronabinol bei Anorexie helfen, wobei Übelkeit und Erbrechen mit einer Dosierung von 30 mg zu behandeln sind. Für nähere Informationen können Sie sich an den Arzt Ihres Vertrauens wenden und eine individuelle Diagnose für Ihre Beschwerden erhalten.

Erfahrungsberichte

Mein Arzt hat mir Dronabinol wegen meiner chronischen Gelenkschmerzen verschrieben. Alle anderen Schmerzmittel haben entweder keine Wirkung gezeigt, oder haben mir den Magen verdorben. Ich kann nicht beschreiben wie viel besser es mir mit dem THC geht. Nicht nur sind die Schmerzen weg, sondern ich fühle mich glücklicher, kreativer und komme auf viele neue Ideen. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, was ich ohne Cannabis tun würde.

– Sabine 58

Der Krebs hat mir schon recht böse zugesetzt. Erst hat die Strahlentherapie nicht funktioniert und dann ist er auch noch in meinen Magen gekommen. Ich wünsche niemandem den ich kenne eine Chemotherapie. Das Zeug ist Gift, das sagt sogar die Krankenschwester. Gut, dass ich durch das Marihuana nicht mehr so oft über der Kloschüssel knien muss. Mir geht es zwar immernoch nicht glänzend, aber das Gras hilft auch jeden Fall die Effekte der Chemotherapie in den Griff zu kriegen.

– Frank 45

Ich habe schon von Dronabinol als Medikament gegen Epilepsie gehört, aber in den Internet Foren haben alle nur davon geredet, wie teuer es doch sei. Die Antiepileptika haben nie so wirklich gut funktioniert und ich habe meinen Arzt nach einer Alternative gefragt. Daraufhin hat er mir von Dronabinol und der neuen Regelung erzählt, dass die Krankenkasse jetzt die Kosten tragen würde. Seit diesem Zeitpunkt habe ich kaum noch Anfälle und habe keine Angst mehr am Alltag teilzunehmen.

– Stefanie 31

Schlusswort

Dronabinol ist ein Mittel mit großem Potenzial. Die Anwendungsbereiche von THC und CBD reichen von der Behandlung von Schmerzen, zu der Therapie von Multipler Sklerose. Wissenschaftler sind sich einig, dass Cannabis in den kommenden Jahren eine große Rolle in der Behandlung zahlreicher Beschwerden darstellen wird. Die Lockerung der Regulierungen über die Abgabe von Dronabinol stellen einen wichtigen Schritt in der Ausschöpfung dieses Potenzials dar.

Schon bald könnten Menschen auf der ganzen Welt durch Cannabis mit medizinischer Qualität behandelt, und vielleicht sogar geheilt werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Forschung neue Erkenntnisse zu der Wirkungsweise von Cannabis im menschlichen Körper gewinnt. Die Legislatur zieht in vielen Fällen erst viel später nach, doch der steigende Druck von Seiten der Bevölkerung könnte schon in naher Zukunft zu einer Entkriminalisierung der Cannabispflanze führen. Bis dahin können sich Patienten Dronabinol von ihrer Krankenkasse bezahlen lassen und ein schmerzfreies Leben genießen.

Verweise

(1) https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/03/09/cannabis-auf-rezept-das-sollte-man-fuers-erste-wissen

Dronabinol – Medizin aus Cannabis?
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